Was mich an Introvision so fasziniert

 

Im Laufe meiner nunmehr fast vierzigjährigen Berufserfahrung habe ich Ausbildungen in etlichen Therapie- und Beratungsverfahren absolviert und damit verbunden an einer Vielzahl von Selbsterfahrungen teilgenommen. Das hat bei mir zwar immer auch ein Gefühl des persönlichen Zugewinns ausgelöst, die Themen, mit denen ich mich beschäftigt habe und die mich unzufrieden gemacht haben, aber nie zur Gänze gelöst. Ich habe immer gespürt, dass das, was ich gern „verbessert“ hätte, tatsächlich auch jedes Mal ein Stück weit „besser“ geworden ist,  aber nie wirklich „gut“.

Das Grundproblem bestand nach wie vor, nur mit dem Unterschied, dass die Reize, die das Problem auslösten, stärker werden mussten, bevor die Mechanismen ansprangen, die mir Schwierigkeiten, Unwohlsein, Angst oder Ärger verursachten. Man könnte es vielleicht damit illustrieren, dass die „Sensoren“ für das Problem schwächer geworden waren – aber wenn der Reiz schließlich von den Sensoren aufgenommen wurde, war das alte Problem unvermindert aktiv.

Dieses Erleben hat mich oft frustriert, weil es einherging mit dem Gefühl „Im Grunde geht es mir genauso wie früher, bevor ich daran gearbeitet habe. Hört das denn nie auf?“

Als ich vor einigen Jahren meine MBSR-Ausbildung begonnen habe und die spezielle Form des meditativen Sitzens im MBSR trainierte, machte ich die Erfahrung, dass beim Sitzen sich ganz allmählich, peu á peu, Teile zu Wort melden, die ich – wie wahrscheinlich fast jeder – normalerweise beiseite geschoben hatte. Das waren ängstliche Teile, Teile, die sich Sorgen machen, Teile, mit denen ich nichts zu tun haben wollte. In der Vergangenheit hatte ich etliche Methoden entwickelt, diese Teile „unter Kontrolle zu halten“, zum Beispiel mit Atemtechnik oder mit Rationalisierungen. In der MBSR-Meditation lautete die Anleitung jedoch, was auch immer ins Bewusstsein gespült würde, wertfrei anzuschauen, nichts daran „zu tun“, schon gar nicht zu versuchen, etwas zu verändern. Nicht eingreifen, sondern einfach mit dem zu sein, was im Moment gerade ist.

Diese Art der Meditation hat bei mir sehr viel in Gang gesetzt, einfach nur durch das nicht-wertende Betrachten. Dadurch, dass ich diesen Teilen zum ersten Mal wirklich Raum gegeben habe, kam eine Art „Nachentwicklung“ zustande, die offenbar wichtig war. In meiner Umgebung wurde die Veränderung, die mit mir vorging, sofort bemerkt – ich erhielt die Rückmeldung, dass ich mich nach zwei, drei  Wochen MBSR mehr verändert hätte, als nach Jahren mit anderen Verfahren. Das entsprach auch meinem subjektiven Empfinden.

Auf Grund dieser Erfahrungen war ich quasi elektrisiert, als ich zum ersten Mal, in einem Spiegel-Artikel, über Introvision las und verstand, dass Introvision eine Form des gezielten MBSR ist. Das hat mir theoretisch sofort eingeleuchtet und die praktische Erfahrung, die ich bald danach damit machte, hat mir die Wirksamkeit dieser Methode eindrücklich bestätigt. Ich nahm ein Coaching mit Introvision in Anspruch und erlebte, wie all die alten Themen, die mich schon so lange begleitet hatten und die der Transaktionsanalyse, Gestalt- und Körperarbeit und was nicht alles, widerstanden hatten, sich in Luft auflösten. Gedanken, die früher Anspannung, Erschrecken, innere Blockaden oder ängstliche Gefühle zur Folge hatten, bewirkten nichts mehr dieser Art, sondern nur noch vernünftiges Nachdenken über die betreffenden Dinge.

Diese eigene Erfahrung hat mich sehr schnell restlos überzeugt, dass Introvision etwas anderes anbietet als gängige Therapieverfahren oder Selbsterfahrungen. Und meine Erfahrungen mit Klienten seither bestätigen das immer wieder aufs Neue.

 

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