Innere Antreiber und Imperative können nachhaltigen Coachingerfolg verhindern

Innere Antreiber und Imperative können dauerhaften Erfolg im Coaching konterkarieren

 

Der Fall stellt sich in aller Kürze so dar: Der Klient berichtet, dass seine Mitarbeiter sich immer wieder darüber beschwert haben, dass er übermäßig pingelig sei und dass man es ihm nie recht machen könne. Nachdem sich Mitarbeiter haben versetzen lassen, weil sie seine „übertriebenen Ansprüche“, verbunden mit vielen Überstunden, aber wenig Anerkennung, nicht mehr mit machen wollten, erkannte die Personalabteilung auf dringenden Handlungsbedarf und empfahl ein Coaching.

Im Coaching trat sehr schnell zu Tage, dass der Klient der Perfektionist par excellence war. In der Terminologie der Transaktionsanalyse gesprochen: Er besaß einen hundertprozentigen „Sei-perfekt-Antreiber“, der nicht nur für sein eigenes Handeln beherrschend war, sondern den er auch auf seine Mitarbeiter ausweitete. Sein Maßstab war einzig und allein die absolute Perfektion, das allein erwartete er von allen. Dabei hatte er einen unbestechlichen Blick für Fehler entwickelt, die er gnadenlos rügte und handelte nach dem Glaubenssatz, dass nur vollkommene Fehlerfreiheit eines Lobes würdig sei.

In der weiteren Analyse wurde deutlich, dass er dieses Verhaltensmuster in der Kindheit gelernt hatte, denn damals hatte auch er nur Anerkennung erhalten, wenn seine Leistung perfekt war.

Der hohe Anspruch an sich selbst und seine Mitarbeiter war verknüpft mit der Angst, dass Fehler passieren könnten, dass ein Mitarbeiter etwas übersehen könnte, oder von ihnen falsche Entscheidungen getroffen würden. Um das zu verhindern, beschnitt er die Entscheidungsfreiheit seiner Mitarbeiter auf ein Minimum, und sorgte für doppelte und dreifache Kontrollen, was zu einer erheblichen Arbeitslast führte und zwar für alle Beteiligten.

Das Ergebnis seiner Anstrengungen war zwar sehr gut, ihm wurde allenthalben bestätigt, dass seine Abteilung hervorragende Arbeit ablieferte, jedoch zu einem inakzeptablen Preis: Mangelnde Work-Life-Balance bei ihm, Unzufriedenheit bei den Mitarbeitern.

Ein traditionelles Coaching würde an den Verhaltensweisen des Klienten ansetzen:

Man würde mit ihm daran arbeiten zu verstehen, dass ein Teil seines Jobs als Führungskraft darin besteht, die Mitarbeiter zu entwickeln, weshalb es wichtig für ihn ist, zu lernen, mehr Anerkennung zu geben. Das könnte man auch mit ihm trainieren, sodass er darin sicherer wird. Man könnte weiter mit ihm erarbeiten, wie er sinnvollerweise mehr Verantwortung an die Mitarbeiter delegieren kann.

Man kann auch mit Mitteln der Transaktionsanalyse an seinem Antreiber arbeiten und über diesen Erkenntnisgewinn den Klienten befähigen, seinen „Perfektionswahn“ kritisch zu beleuchten und seine Ansprüche an sich und seine Mitarbeiter auf ein vernünftiges Maß zu reduzieren.

Diese Maßnahmen würden, wenn er willig mitmacht, sicher auch dazu führen, dass er anders auftritt, was sowohl die Mitarbeiter und in der Folge auch die Personalabteilung dankbar vermerken.

Das Coaching war also von Erfolg gekrönt!?

Ist das Coaching erst einmal eine Zeitlang vergangen, besteht die Gefahr, dass schleichend und peu á peu das alte Verhalten wiederkehrt. Dass das so ist, liegt am Imperativ des Klienten „Es darf auf gar keinen Fall ein Fehler passieren!“

Solange dieser Imperativ nicht aufgelöst wird, wird der Klient immer wieder in einen inneren Konflikt damit geraten, denn er „hört“ zwar innerlich die neu gelernte Stimme, die zum Beispiel sagt „Es ist sinnvoll, den Leuten Entscheidungsfreiheit zu lassen!“  oder  „Ich muss nicht dauernd perfekt sein!“ Aber gleichzeitig ist da auch noch die alte Stimme, die verlangt: „Es darf auf gar keinen Fall einen Fehler geben!“ Dieser innere Konflikt löst Stress aus, der für gewöhnlich damit gelöst wird, dass man in die alten Muster zurückfällt. Das sorgt zwar kurzfristig für eine Stress-Verminderung, produziert aber langfristig jede Menge neuen Stress.

Ein solcher Kreislauf ist durch bewusstes, rationales Gegensteuern meist nicht dauerhaft zu beeinflussen, denn das eigentliche Problem liegt auf einer gehirnphysiologisch tieferen Ebene. Durch das, was der Klient in seiner Kindheit gelernt hat, hat sich in seinem limbischen System eine Alarmvorrichtung etabliert, die sofort anspringt, sobald er den Gedanken hat, dass irgendetwas falsch laufen könnte. Dieser Alarm bringt ihn in einen inneren Konflikt mit seinem Imperativ – und letztlich erweist sich der innere Imperativ immer als stärker als die bewusst getroffenen Entscheidung.

Der Weg aus dem Konflikt besteht darin, den Imperativ auf einer emotionalen Ebene aufzulösen und damit die Alarmvorrichtung abzuschalten. Das Ziel sollte sein, dass auch der Gedanke, dass ein Fehler passieren könnte, keine emotionale Reaktion, keinen inneren Erregungszustand, mehr auslöst, sodass der Klient frei wird von dem inneren Zwang, für Perfektion zu sorgen. Und das leistet meines Erachtens im Moment einzig die Introvision.

 

Kommentare (3) Schreibe einen Kommentar

  1. Natürlich gibt es auch noch andere effektive Methoden mit den Inneren Antreibern zu arbeiten. Fakt ist jedoch, dass die Methode „Introvision“ gerade da sehr hilfreich ist.
    Der Begriff „Imperativ“ hat in dieser Methode eine bestimmte Bedeutung und es ist auch wichtig, den richtigen Imperativ zu finden, dazu braucht man manchmal einen Berater oder eine Beraterin. Ich habe jetzt schon mehrmals die relativ schnell entlastende Wirkung von Introvision erfahren, wenn ich mit dem richtigen Imperativ gearbeitet habe und das ist alles andere als Marketingtool und auch kein neuer Wein in alten Schläuchen.

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  2. Der Satz „und das lässt sich nur mit Introvision lösen“ stimmt so nicht. Jede Arbeit, die sich mit inneren Einstellungen und/oder Glaubenssätzen befasst kennt diese Programme unterhalb des rationalen Denkens und befasst sich mit Ihnen. Und dass wir tiefer liegende Programme haben, die sich von rationalen Überlegungen wenig beeindrucken lassen, dass also die Treiber eher als Symptom denn als Ursache zu sehen sind ist jetzt nicht wirklich neu. Wer sich ein bisschen mit der Psyche der Menschen befasst hat, also ein wenig über Verhaltensmuster hinaus denkt, findet in der Introvsion nichts hilfreiches. Ich finde den Begriff der Imperative wenig aussagekräftig in der Sache und eher ein Marketingtool um neue Ausbildungen an Coaches zu verkaufen (alter Wein in neuen Schläuchen).

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    • Es spricht doch für einige Ignoranz, wenn man jahrelange Forschung mit einem Federstrich wegwischt, mit der tiefgründigen Beemerkung man fände Den Begriff Imperativ wenig aussagefähig.

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