Den Imperativ-Alarm-auslösenden Satz finden

Den Imperativ-Alarm-auslösenden Satz finden

Wenn man den Imperativ gefunden hat, der für den Alarm verantwortlich ist, ist das Ziel im IntrovisionCoaching, den Alarm auszulösen, damit der Klient in der Haltung der weiten Wahrnehmung damit sitzen und alle Reaktionen auf der körperlichen, emotionalen und mentalen Ebene erfahren kann, ohne in diese Vorgänge einzugreifen. Grundsätzlich wird der Alarm ausgelöst durch einen Satz, der diesen Imperativ bedroht. Das muss also ein Satz sein, der genau das androht, was laut Imperativ keinesfalls sein darf.

Die richtige Formulierung dieses Satzes spielt eine große Rolle, weil Begriffe oder Verben, die vielleicht eine ganz ähnliche Bedeutung haben, trotzdem die Stärke der Reaktion unterschiedlich beeinflussen können. So kann zum Beispiel bei jemandem, dessen Imperativ lautet, nicht zu scheitern, die Alarmreaktion sehr stark ausfallen bei dem Satz „Es kann sein, dass ich bei xyz scheitere“, während für einen anderen, der die gleiche Angst hat zu scheitern, dieser Satz nicht viel bewegt, er aber stark reagiert bei den Worten „Es kann sein, dass ich bei xyz versage!“

Deshalb ist es wichtig, ein wenig mit den Formulierungen zu experimentieren, bis man die richtige Wortwahl gefunden hat. Man kann dafür bereits die Introvision selbst nutzen, also den Klienten nach innen gehen lassen, um nachzuspüren, welche Formulierung den Alarm am stärksten auslöst und diese dann in der weiteren Arbeit zu benutzen. Dabei sollte die Formulierung immer in der Möglichkeitsform gefasst sein, also „Es kann sein, dass…“ Man könnte auch eine Formulierung mit  „Vielleicht…“ wählen, die Erfahrung bisher hat aber gezeigt, dass eine solche Formulierung von den meisten Klienten als schwächer empfunden wird. „Es kann sein, dass…“ macht offenbar am deutlichsten, dass wirklich eintreten kann, was der Imperativ zu verhindern versucht.

Wenn man den Satz gefunden hat, der einen starken Alarm ausgelöst hatte, der Alarm durch mehrfaches Sitzen mit diesem Satz aber bereits schwächer geworden ist, kann es hilfreich sein, diesen Satz noch einmal zu verschärfen, zum Beispiel indem man aus „Es kann sein, dass ich abgelehnt werde!“ ein „Es kann sein, dass ich total abgelehnt werde!“ macht. Das steigert manchmal den Alarm noch einmal und so hat man die Chance, auch diese Alarmreaktion aufzulösen.

Man arbeitet im Introvision Coaching zwar in den meisten Fällen mit einem negativen Satz, es gibt jedoch auch Fälle, in denen es wichtig ist, einen positiven Satz zu formulieren, weil auch der Alarmreaktionen auslösen kann. Wenn also jemand erfolgreich seine Alarmreaktion reduziert hat mit dem Satz „Es kann sein, dass ich scheitere“, kann es gut sein, dass derjenige auch profitiert, wenn man ihn sitzen lässt mit dem Satz „Es kann sein, dass ich sehr viel Erfolg habe!“ Denn das wird manchmal genauso gefürchtet wie das Scheitern, vielleicht weil es mit allen möglichen negativen Assoziationen verbunden ist, zum Beispiel „Wenn ich so erfolgreich bin, entfremde ich mich von meiner Familie und meinen Freunden.“

Auch wenn jemand zum Beispiel Angst hat, dass er eine Krankheit nie mehr los wird und man zunächst mit dem Satz „Es kann sein, dass die Krankheit nie mehr weggeht“ gearbeitet hat, ist es im Anschluss unter Umständen wichtig, auch mit dem Satz „Es kann sein, dass ich vollkommen gesund bin“ zu arbeiten, dann nämlich, wenn es beim Klienten einen sekundären Krankheitsgewinn gibt, weshalb es für ihn tatsächlich schwierig ist, sich vorzustellen, dass er völlig gesund wird.

Ein weiteres Beispiel für eine wichtige Ergänzung der Arbeit auch mit einem positiven Satz, war der Fall einer Klientin, die sich in ihrem Leben hauptsächlich unglücklich fühlte. Sie war ständig überverantwortlich um andere besorgt. Nachdem sie zuerst mit dem Satz „Es kann sein, dass ich nicht glücklich werde“ gearbeitet hatte, wurde später ein sehr heftiger Alarm ausgelöst durch den Satz „Es kann sein, dass ich total zufrieden bin“. Die Vorstellung, dass es ihr gutgeht, während es ihren Eltern und der Schwester schlecht geht, verursachte ihr ein total schlechtes Gewissen, begleitet von Glaubenssätzen wie „Ich kann es mir doch nicht gutgehen lassen, wenn es anderen in meinem Umfeld schlecht geht!“

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das beste Kriterium dafür, ob man den richtigen Satz für die Introvision gefunden hat, darin besteht, dass er den stärksten Alarm auslöst. Bei einer Belastungsskala von 0 bis 10 sollte der Satz möglichst hoch angesiedelt sein, wobei es natürlich auch immer vorkommen kann, dass ein Klient an einem Imperativ arbeiten will, der von vorn herein nicht mit einem so heftigen Alarm verbunden ist. Der Coach sollte auf jeden Fall daran denken, ein wenig mit Worten und Begriffen zu experimentieren, ein Wort gegen ein anderes austauschen, um festzustellen, ob es eines gibt, das noch stärker trifft, als das ursprünglich gewählte.

 

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