Introvision und Transaktionsanalyse ergänzen sich ideal

Im IntrovisionCoaching kann es vorkommen, dass es für Coach und Klienten schwierig ist, den richtigen Satz herauszufinden, den Satz, der imstande ist, beim Klienten genau die inneren Alarme auszulösen, die sein Problem konstituieren. Dieser den Imperativ bedrohende Satz ist bei der Arbeit mit Introvision aber das A und O – ohne den richtigen Satz geht sie ins Leere.

So lässt sich beispielsweise manchmal beobachten, dass jemand sehr emotional reagiert, während er sein Problem schildert, sich auch recht schnell ein Imperativ identifizieren lässt, der am inneren Konflikt beteiligt ist, der Klient beim Sitzen mit dem den Imperativ bedrohenden Satz aber relativ unbeteiligt ist  – es wollen sich einfach keine Alarme einstellen, die mit der Schwere des Problems korrelieren.

In einer solchen Situation ist es gut, wenn man auf das Hintergrundwissen aus der Transaktionsanalyse zurückgreifen kann. Denn der Coach muss in diesem Fall nicht nur den oder die Imperative herausarbeiten, sondern er muss des weiteren zweierlei herausfinden: Welches war das ursprüngliche Problem, weshalb der Alarm überhaupt installiert wurde und – noch wichtiger – welche Verhaltensmechanismen hat der Klient gelernt, um mit seinen „Einschränkungen“ klarzukommen. Dazu dient ihm die Skript-Theorie aus der Transaktionsanalyse. Die beschreibt sehr genau, wie es zu inneren Glaubenssätzen, „Einschärfungen“ genannt, kommt, und welche Folgen sich daraus ergeben.

Nehmen wir als Beispiel jemanden, der sich auf Grund der Erfahrungen seiner Kindheit und frühen Jugend für überhaupt nicht liebenswert hält. Um mit dieser schwerwiegenden Einschränkung trotzdem leben zu können, entwickelt derjenige Strategien, wie er mit dem Glaubenssatz „Ich bin nicht liebenswert“ umgehen kann. Eine „klassische“ Strategie ist zum Beispiel der Versuch, sich überall möglichst perfekt anzupassen, sodass man nicht auffällt und aneckt. Oder es ist das Bestreben, immerzu möglichst besonders entgegenkommend und hilfsbereit zu sein, um sich so das Wohlwollen der Mitmenschen zu verdienen. Oder man versucht, sich in irgendeiner Weise unentbehrlich zu machen, sodass man dauernd das Gefühl, gebraucht zu werden, aufrecht erhalten kann. Eine sehr häufig verwendete Strategie besteht darin, dass man versucht, über Leistung die Anerkennung, die man sich wünscht, zu erhalten. Alle diese Strategien haben einen entscheidenden Nachteil: Ab dem Moment, wo sie nicht mehr funktionieren, schlägt sofort das ursprüngliche Problem wieder zu und der Glaubenssatz „Ich bin nicht liebenswert“ entfaltet augenblicklich seine Wirkung.

Wie das Wissen darüber, welche Bewältigungsstrategien ein Klient einsetzt, im IntrovisionCoaching nützlich sein kann, zeigt das folgende Beispiel:

Ein Klient kam ins Coaching, weil er große Probleme mit seiner Selbstakzeptanz hatte. Er fühlte sich ständig schlecht und war unzufrieden mit sich selbst. Während er sein Problem schilderte, reagierte er sehr aufgewühlt und emotional, am Rande der Tränen. Es war recht schnell klar, dass bei ihm ein Imperativ „Es darf nicht passieren, dass ich abgelehnt werde“ vorhanden war. Doch der Satz „Es kann sein, dass ich abgelehnt werde“, löste keineswegs den Alarm aus, den man nach der vorherigen Betroffenheit des Klienten hätte erwarten können.

Aus der Skripttheorie der Transaktionsanalyse erklärt sich auch, weshalb. Die Angst davor, abgelehnt zu werden, hatte bei ihm dazu geführt, dass er sich die Bewältigungsstrategie „Ich muss mir die Anerkennung und Zuwendung durch Leistung verdienen“ aneignete. Der Satz „Es kann sein, dass ich abgelehnt werde“ hat deshalb nicht viel bei ihm ausgelöst, weil er dagegen seit Jahrzehnten eine Bewältigungsstrategie besaß.

Als ihm der Coach jedoch die Bewältigungsstrategie nahm, indem er ihn mit dem Satz „Es kann sein, dass ich nicht mehr leistungsfähig bin“ in konstatierender Wahrnehmung sitzen ließ, sprang der Alarm in voller Stärke an.

Das Ursprungsproblem war zwar der innere Glaubenssatz „Ich bin nicht liebenswert“, doch an diesen Kern gelangte man erst über den Umweg der Bewältigungsstrategie. Nachdem der Alarm bei dem Satz „Es kann sein, dass ich nicht mehr leistungsfähig bin“ gelöscht worden war, lösten sich viele Probleme, die mit dem Glaubenssatz, nicht liebenswert zu sein, in Zusammenhang gestanden hatten, von selbst auf, weil der Klient plötzlich die Erfahrung machte, sehr wohl angenommen zu sein.

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