IntrovisionCoaching und Introvision

TeamgeistDie Frage, die uns immer wieder gestellt wird, ist: Gibt es einen Unterschied zwischen Introvision und IntrovisionCoaching? Beide basieren zwar auf den selben Prinzipien, aber IntrovisionCoaching stellt ein anderes Format der selben Methode dar.

Die Introvision, wie sie von Frau Professor Dr. Angelika Wagner im Rahmen eines zwanzigjährigen Forschungsprogramms am Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie der Universität Hamburg entwickelt wurde,ging von der Frage aus, wie sich akute Konflikte und mentale Blockaden praktisch wieder auflösen lassen – und zwar von den Beteiligten selbst. Deshalb wurde die Methode so aufgebaut, dass die notwendige innere Haltung, die von Frau Wagner „konstatierende, aufmerksame Wahrnehmung“, kurz KAW genannt wird, ausgiebig und vielfach trainiert werden muss. Die KAW ist ein Kernstück innerhalb der Methode, ohne die die Auflösung der Imperative, die für die inneren Konflikte ursächlich sind, nicht gelingt.

Man kann die KAW, so wie wir es tun, durchaus durch den Begriff der „Achtsamkeit“ ersetzen, wie er zum Beispiel aus dem Mindfulness Based Stress Reduction – Programm (MBSR) bekannt ist. Achtsamkeit wird in diesem Zusammenhang verstanden als die innere Haltung, die durch eine weit gestellte Aufmerksamkeit erzeugt wird, bei der man sich, ohne zu bewerten oder in irgendeiner Form einzugreifen, im Hier und Jetzt seinen Gedanken, Gefühlen und körperlichen Empfindungen stellt.

Die richtige innere Haltung der weit gestellten, nicht wertenden und nicht eingreifenden Aufmerksamkeit ist aus folgendem Grund für das Gelingen der Introvision entscheidend:

Um den Imperativ aufzulösen, ist es notwendig, den Alarm, der mit ihm verknüpft ist, zu löschen. Der Alarm wird in Gang gesetzt über einen ganz bestimmten, den Imperativ negierenden Satz, der einen inneren Konflikt generiert. Dieser innere Konflikt wird wahrgenommen als mentale, emotionale und/oder körperliche Aufregung, also z.B. kreiselnde Gedanken, Angst, Wut oder Trauer, Herzrasen, schwere Atmung, verkrampften Bauch und ähnliches. All das gilt es nun einfach  rein beobachtend wahrzunehmen, um den Alarm zu löschen.

Hat jemand zum Beispiel den Imperativ „Ich darf auf keinen Fall scheitern“, so lautete sein Satz etwa „Es kann sein, dass ich an dieser Aufgabe scheitere“, was bei ihm zu einem inneren Konflikt und deshalb zu einer Alarmreaktion führen wird – denn zu scheitern ist ja mit einem strikten Verbot belegt. „Normalerweise“ – also ohne Kenntnis von Imperativen, Alarmen und inneren Konflikten, reagiert man auf einen den Imperativ bedrohenden Satz mit irgendeiner Form von „Flucht“. Man versucht, sich dem inneren Konflikt und dem Alarm zu entziehen, indem man etwa zu einer Ablenkung greift, mehr oder weniger krampfhaft „positiv denkt“, die unangenehmen Gedanken oder Gefühle weg atmet oder was man im Laufe seines Lebens halt sonst so gelernt hat an Konfliktvermeidungsstrategien. Die mögen zwar ausgefeilt sein und auf ihre Weise gut wirken, lösen jedoch das Problem -den Imperativ – nicht.

Eine ebenso gute Möglichkeit, das Problem NICHT zu lösen, besteht darin, sich vom Alarm überwältigen zu lassen und sich immer tiefer in die vorhandenen Probleme und Ängste hineinzusteigern.

Frau Dr. Wagner hat den genialen Weg gefunden, wie man sich dauerhaft von seinen Imperativen befreien kann: indem man sich mit KAW den Alarmen stellt. Da sie jedoch das Ziel hat, den Menschen beizubringen, wie sie das für sich selbst und allein machen können, erfordert ihr Ansatz, dass sie mit den Teilnehmern zunächst intensiv und über einen verhältnismäßig langen Zeitraum viele unterschiedliche Übungen zur KAW macht. Da vom konstatierenden, aufmerksamen Wahrnehmen alles abhängt, muss es bei ihr sehr gründlich trainiert werden. Trotzdem, so schildert sie es, ist es den Teilnehmern häufig nur circa eine Minute möglich, im KAW-Zustand  zu verbleiben, bevor sie wieder von ihren Alarmen übermannt werden. Der Vorteil bei diesem Ansatz ist sicherlich, dass die Menschen lernen, ihre Probleme allein zu analysieren und allein die für sie nötigen Imperativ-bedrohenden Sätze zu formulieren, sodass sie mit Introvision allein arbeiten können.

Im Coaching hat man jedoch für gewöhnlich keine Zeit, Klienten wochenlang KAW trainieren zu lassen. Deshalb haben wir IntrovisionCoaching  entwickelt.

Für uns bestand die Herausforderung darin, ein Format zu entwickeln, mit dem man es schafft, diese geniale Methode handhabbar zu machen, auch wenn man nur zwei mal fünf Stunden Coachingzeit zur Verfügung hat. Coachingzeit, die nicht ausschließlich dazu benutzt werden kann, um Imperative zu analysieren und aufzulösen, sondern die auch gebraucht wird, um zum Beispiel Rolle und Aufgabe des Klienten als Führungskraft zu reflektieren, das System, indem er arbeitet zu untersuchen und gemeinsam mit ihm Strategien im Umgang mit allen möglichen Problemen zu entwickeln. Es liegt auf der Hand, dass in diesem Umfeld keine Zeit vorhanden ist für lange vorbereitende Übungen.

Im Unterschied zur ursprünglichen Introvision können wir mit IntrovisionCoaching sofort starten. Zunächst hat der Coach mit dem Klienten den Imperativ herausgearbeitet und den wirksamsten Imperativ-bedrohenden Satz definiert. Wir erklären dann dem Klienten, was es mit der weit gestellten Wahrnehmung auf sich hat, und in der Regel beherrschen die Klienten das nach zwei kurzen Übungen. Im Anschluss begleiten wir den Klienten mit Hilfe einer eigens für ihn gemachten Anleitung durch den Prozess der Introvision. Dabei erfährt der Klient Unterstützung, in der Haltung der nicht wertenden, nicht eingreifenden Aufmerksamkeit zu bleiben und sich, wenn nötig, mit seiner Atmung zu verbinden, was ihn stabilisiert und damit befähigt, die richtige innere Haltung aufrecht zu erhalten. Dank dieser Anleitung wird der hervorgerufene Alarm auszuhalten, und zwar bis zu fünfzehn Minuten, ohne die Achtsamkeit zu verlieren, ohne auszuweichen oder einzugreifen.

Das hat zur Folge, dass die Stärke des Alarms sich in einer Coachingsitzung schon deutlich reduziert.

Damit der Klient anschließend allein mit IntrovisionCoaching weiter arbeiten kann, um den Alarm ganz auf Null zu reduzieren, wird seine Anleitung aufgenommen und ihm sofort per mail zugeschickt. Seine „Hausaufgabe“ besteht darin, mit dieser Anleitung täglich einige Minuten, maximal fünfzehn, zu üben, bis der Alarm gelöscht ist oder bis zur nächsten Sitzung.

Klienten, die einmal einen solchen Prozess durchgemacht haben, sind für gewöhnlich anschließend in der Lage, weitere Imperative selbständig aufzulösen.

Wir haben in den mittlerweile mehr als zwei Jahren, die wir mit dem Format IntrovisionCoaching arbeiten, die Erfahrung gemacht, dass es sich sowohl für Businesscoaching als auch für Lifecoaching hervorragend eignet, weil man mit wenigen Sitzungen Ergebnisse erzielt, die die Klienten als „sensationell“, „befreiend“, „sehr erleichternd“, kurz außerordentlich hilfreich empfinden.

Was als Methode so einfach und simpel klingt, sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass IntrovisionCoaching einiges an Wissen, Können und Erfahrung vom Coach erfordert. Der Coach steuert mit, dass der Alarm vom Klienten bewältigt werden kann, dabei sind viele verschiedene Faktoren zu berücksichtigen, die er beherrschen muss.

Kommentar verfassen