Körpersprache – ein Fall für’s Coaching?

In Trainings und Coachings werde ich immer wieder danach gefragt, ob man die eigene Körpersprache denn „verbessern“ könnte. Häufig wird dabei Bezug genommen auf Samy Molcho und seine Veröffentlichungen. Diese Frage lässt sich in meinen Augen jedoch nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantworten.

Es ist nachgewiesen, dass Körperhaltungen Einfluss darauf nehmen, wie man sich fühlt. Das sogenannte Embodiment beeinflusst ganz klar die Psyche: Wer wie ein geprügelter Hund durch die Gegend schleicht, strahlt nicht gerade Lebensfreude aus und wenn er länger in dieser Haltung verharrt, wird er sich auch bald fühlen wie das Leiden Christi zu Pferde, auch wenn es ihm vorher eigentlich ganz gut ging.

Das sind jedoch einzelne Haltungen – wollen wir gezielt an unserer „Körpersprache“ arbeiten, so sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir versuchen, an einem System zu arbeiten, das weitgehend unbewusst funktioniert. Samy Molcho, der so gern als Beispiel für „hervorragende“ Körpersprache, die man auch gern hätte, angeführt wird, ist, das darf man nicht vergessen, in erster Linie Schauspieler, und als guter Schauspieler hat er gelernt, was alle Vollprofis in diesem Beruf können: Er wird zu dem, den er darstellt. Deshalb sind gute Schauspieler so überzeugend und Laiendarsteller eben nicht!

Bei einem Laiendarsteller, wie wir Normalsterblichen für gewöhnlich einer sind, erkennt jeder sofort, dass er eben nur „vorspielt“, was er gerade darzustellen versucht. Genau das passiert auch, wenn man sich eine Körpersprache überstülpt, die nicht zu dem passt, was tatsächlich bei einem los ist. Es ist einfach nicht authentisch. Wenn man zum Beispiel gelernt hat, dass weite, offenen Bewegungen bedeuten, dass ein weiter, offener Mensch dahinter steckt, und man probiert das vor Publikum aus, obwohl man sich gerade völlig gehemmt fühlt, weil man Angst vor Ablehnung hat, so erkennt selbst ein halbblindes Publikum, dass da etwas nicht stimmt. Der gleiche Bewegungsablauf, der bei einem sicheren Menschen signalisiert „Ich bin offen für alle“, sorgt, ausgeführt vom Unsicheren, nur für Irritation beim Publikum. Die Bewegung passt nicht zur tatsächlich vorhanden Körperspannung, zur Atmung, zu was auch immer. Statt sein Publikum zu überzeugen, macht man es so eher misstrauisch, weil man ihm widersprüchliche Informationen zukommen lässt.

Diese Informationen verarbeitet das Publikum natürlich nicht bewusst – aber es spürt sie. Ganz einfach deswegen, weil wir Menschen seit Jahrtausenden darin trainiert sind, Körpersignale unbewusst zu entziffern, schließlich konnte unser Überleben davon abhängen, zu erkennen, ob es einer ehrlich meint oder nicht.

Aus diesen Gründen glaube ich persönlich nicht daran, dass man an der „Körpersprache“ als solcher arbeiten kann, es sei denn, man macht ein echtes Schauspieltraining. Aber was man natürlich machen kann, ist, an einzelnen Haltungen zu arbeiten. Man kann zum Beispiel an der Art und Weise, wie man dasteht, einiges verändern, was dann auch Auswirkungen auf die psychologische Haltung hat. Und daraufhin kann sich die Körpersprache ganz natürlich und authentisch dieser inneren Haltung anpassen.

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