Die vier Kategorien innerer Konflikte

Zu einem inneren Konflikt im Sinne der Introvision kommt es immer dann, wenn die Wirklichkeit anders ist, als der Imperativ vorschreibt oder wenn man Angst davor hat, dass genau das passieren könnte. Und immer, wenn der Imperativ in diese Gefahr gerät, wird das intrapsychische Alarmsystem aktiviert. Sämtliche inneren Alarmglocken beginnen laut zu schrillen: „Höchste Gefahr, denn was du unbedingt haben oder unbedingt vermeiden musst, droht schief zu gehen!“ Als Folge erlebt der Mensch eine erhöhte Anspannung, die sich von sehr unangenehmen Gefühlen bis hin zu Angst oder einer echten Panikattacke steigern kann, mit allen damit verbundenen körperlichen Auswirkungen.

Diese inneren Konflikte lassen sich in vier Hauptgruppen unterteilen.

  1. Der Realitätskonflikt

Die Wirklichkeit ist anders als sie den eigenen Anforderungen nach sein sollte. Jemand hat einen wichtigen Auftrag verloren, kann sich innerlich damit aber nicht abfinden und hadert mit dieser Wirklichkeit, weil sein Imperativ „Ich darf diesen Auftrag auf keinen Fall verlieren!“ verletzt wurde. Die Folge ist, dass seine Gedanken dauernd um Fragen kreisen wie: „Warum habe ich nur diesen Auftrag verloren? Wie konnte das passieren? Was habe ich falsch gemacht? Wie hätte ich mich anders verhalten müssen?“ und so weiter. Das sind keine konstruktiven Gedanken, sondern selbstquälerische Selbstbeschuldigungen, die einhergehen mit innerer Erregung, Anspannung und Angst.

2. Der Imperativ-Konflikt

Dieser Konflikt entsteht, wenn zwei entgegengesetzte Imperative aktiv werden. Jemand, der vor einer Prüfung davon überzeugt ist „Ich lernen nur unter Druck, anders bringe ich mich nicht dazu“, sich aber gleichzeitig sicher ist: „Um diese schwierigen Inhalte aufnehmen zu können, muss ich ganz entspannt sein“, hat sich in eine Sackgasse gebracht. Einerseits muss der Druck da sein, damit er überhaupt lernt, andererseits kann er sich unter Druck nichts merken. Auch dieser innere Konflikt kann sich bis zu einer panikartigen Erregung hochschaukeln.

3. Der Undurchführbarkeits-Konflikt

Dieser Konflikt tritt ein, wenn der Imperativ lautet, etwas ganz Bestimmtes erreichen zu müssen, man aber keinerlei Idee hat, wie man das anstellen soll. Ein Sales-Manager zum Beispiel, der sieht, dass sein Umsatz dramatisch einbricht, seine Zahlen mit aller Gewalt wieder nach oben bringen will, aber nicht weiß, wie, weil er den Eindruck hat, bereits alles Menschenmögliche dafür getan zu haben, könnte einen solchen Konflikt erleben. Das einzige was er weiß, ist „Das darf einfach nicht passieren, dass meine Zahlen noch weiter abrutschen!“ Er hat aber keinen blassen Schimmer, was er noch unternehmen soll, und wälzt sich nachts schlaflos im Bett angesichts seiner Verkaufszahlen. Die Panik-Attacken sind nicht mehr fern.

4. Der Konflikt-Konflikt

Dieser Konflikt ist der klassische Fall der Angst vor der Angst. Bei starken Angst-Phänomenen wie Prüfungsangst oder Auftrittsangst lässt sich häufig beobachten, dass das eigentliche Problem gar nicht die ursprüngliche Angst ist, die ja oft sogar ganz hilfreich sein kann, weil das freigesetzte Adrenalin hilft, klar und voller Energie in die Situation zu gehen. Viel schlimmer und behindernder ist, dass man glaubt, diese Angst nicht haben zu dürfen. Erst damit gerät man in einen Konflikt: Die Angst ist da und genau deswegen gerät man in Panik.

 

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