Manager brauchen mentale Fitness

Vorbei die Zeiten, als schwer übergewichtige Manager sich mit Zigarre ablichten ließen, die ihren sicherlich auch vorhandenen Stress eher mit einem guten Cognac zu bewältigen suchten, um dann der damals berüchtigten „Managerkrankheit“ anheimzufallen. Die Berufsgruppe hat daraus gelernt und statt Braten und schwerem Rotwein gibt es heutzutage Fitnessteller und Marathon.

Das Gesundheitsbewusstsein hat zugenommen – der Stress allerdings auch! Ständige Erreichbarkeit, dauerndes Jetten durch die Welt, E-Mail-Terror, das waren für unsere Altvorderen noch Fremdworte. Auf die Führungskräfte stürmt heute sehr viel mehr ein als früher, dabei nimmt die Möglichkeit, langfristig zu planen, immer mehr ab, Geschäftsverläufe werden immer unsicherer,  was den Stress weiter erhöht.

Die meisten Führungskräfte begegnen diesem Stress, indem sie ausgeprägt Sport betreiben und auf  ihre körperliche Fitness achten. Man weiß ja, dass zum Beispiel regelmäßiges Laufen oder Krafttraining Stresshormone abbaut, und das ist natürlich auf jeden Fall gut.

Es ist gut – aber es kommt eigentlich zu spät! Denn der Stress ist ja bereits entstanden und man tut nur etwas dafür, die negativen Folgen wieder loszuwerden. Das „sportliche“ Maßnahmen zu spät kommen, das belegt schon die Tatsache, dass psychische Erkrankungen wie Depressionen, Sucht-Anfälligkeit und Burnout-Fälle auch bei  Führungskräften auf dem Vormarsch sind. Das Stress-Level hat ein Ausmaß erreicht, bei dem es einfach nicht mehr genügt, rein auf der körperlichen Ebene etwas dagegen tun zu wollen.

Wir wollen hier nicht darauf eingehen, dass es sicherlich am sinnvollsten wäre, ein solches Arbeits-System in Frage zu stellen und im Anschluss so zu verändern, dass die Bedingungen sich menschenfreundlicher gestalten. So wünschenswert eine solche Veränderung wäre, so utopisch scheint sie im Moment auch zu sein – und liegt in jedem Fall in anderen Händen als den unseren.

So lange die Arbeitsbedingungen jedoch noch sind, wie sie sind, geht es darum, den Menschen Wege zu ermöglichen, wie sie mit ihren Anforderungen gut fertig werden können.

Auf der Mitarbeiterebene wird bereits zunehmend auf meditative Verfahren wie MBSR gesetzt. Man hat erkannt, dass man, um in unserer Arbeitswelt gesund klarzukommen, auch mentale Fitness nötig hat, zusätzlich zur körperlichen. Dem inneren System muss regelmäßig die Möglichkeit gegeben werden, herunter zu fahren, um zur Ruhe zu kommen. Wo das innere System durch die vielfältigen Anforderungen permanent auf Hochtouren läuft, wird das Abschalten zum Problem. Kommt es aus diesem Grund zum Beispiel zu Schlafstörungen, fängt man den Arbeitstag schon gestresst an. Ein Verfahren wie MBSR bringt innere Ruhe und ist deshalb ein wichtiger Schritt hin zu mentaler Fitness.

Ein noch besseres Ergebnis kann man erzielen, wenn man die eigenen, inneren Stressoren abbaut. Wie stark man Stress erlebt, hängt wesentlich von inneren Bedingungen ab. Es gibt schließlich nur wenige Stress-Faktoren, auf die alle Menschen gleich reagieren, etwa in lebensbedrohlichen Situationen oder wenn sie starkem Lärm ausgesetzt sind, ansonsten geht jeder anders mit stressigen Situationen um. Ob hohe Arbeitsanforderungen für jemanden mit belastenden Stress verbunden sind, hängt damit zusammen, ob durch die äußeren Bedingungen innere Alarmzustände ausgelöst werden. Innerer Alarm bedeutet immer Stress.

Diese inneren Alarmzustände können auch sehr erfolgreiche Führungskräfte erleben. Im Coaching mache ich immer wieder die Erfahrung, dass ein erfolgreicher Manager ganz unnötig einen inneren Alarmzustand erleidet und deshalb viel Stress hat – die Situation, um die es geht, könnte er sehr viel einfacher bewältigen, wenn sein innerer Alarm nicht anspränge und er stressfrei handeln könnte. Es ist nicht die Anforderung als solche, die ihm die Gelassenheit raubt, sondern der innere Alarm ist es, der bei ihm Stresshormone freisetzt. Ohne innere Alarme kann man sachlich und gelassen auch mit schwierigen Anforderungen umgehen.

Aus diesem Grund kann es auch für erfolgreiche Führungskräfte sehr hilfreich sein, sich zum Beispiel mit MBSR zu beschäftigen, deren Achtsamkeitsmeditation in meinen Augen unvergleichlich wirksam ist, um dem täglichen Stress Paroli zu bieten und gleichzeitig etwas Zeit darein zu investieren, mit Hilfe von Introvision innere Stressoren abzubauen.

In dieser Hinsicht etwas für seine mentale Fitness zu tun und sich nicht auf sportliche Aktivität allein zu verlassen, ist auch unter folgendem Gesichtspunkt von Bedeutung: Es häufen sich die Fälle, dass jemand einen Burnout erleidet, obwohl er körperlich sehr aktiv war. Da ein Burnout leicht viele Monate bis hin zu zwei Jahren dafür sorgt, dass man außer Gefecht gesetzt wird, scheint das gut investierte Zeit zu sein. Die inneren Alarme zu löschen macht sich darüber hinaus ja nicht nur im Arbeitsleben positiv bemerkbar, sondern auch im privaten Bereich. Stress hat das Merkmal, auf das Umfeld des Gestressten überzugreifen. Gestresste Führungskräfte stressen ihre Mitarbeiter und sie stressen ihre Familien. Das ergibt ein Wechselspiel sich hochschaukelnder Belastungen, was aus den Gegebenheiten allein gar nicht notwendig wäre. Man kann sich das Leben sehr viel leichter machen, wenn man es gelassen und mit innerer Ruhe angeht. Das nenne ich mentale Fitness.

 

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